Transkriptionen | Johannes Lecküchner | Vorrede

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Dies ist Hans Lecküchner von Nürnbergs Schrift zur Fechtkunst im Langen Messer, die er selbst verfasst und geschrieben hat, den Text und die Auslegung darüber, für den hochgeborenen Fürsten und Herren Herzog Philipp Pfalzgraf bei Rhein, Erztruchsess, Kurfürst und Herzog von Bayern.

Die Vorrede

 

Willst du es beachten, das Messerfechten betrachten, so lerne Dinge, die dich zieren, im Spaß und im Ernst hofieren, damit du kannst erschrecken und die Meister kunstvoll erwecken.

Hier beginnt das Vorwort zum Langen Messer. Wer mit dem Messer fechten will, der soll die rechte Kunst erlernen und sich entsprechend dieser niedergeschriebenen Weise verhalten. Dann wird er mit der rechten Kunst vor Fürsten und vor Herren bestehen. Er soll seiner Kunstfertigkeit entsprechend auch besser entlohnt werden und den anderen Meistern die Dinge nicht zeigen und sie nicht darin unterweisen. Denn es gibt viele Meister des Schwertes, die nichts von der Kunst des Messerfechtens wissen und auch nichts recht ersinnen mögen. Wer sich dieser Dinge und Fertigkeiten bedienen kann, der entdeckt viele ernsthafte Stücke, mit denen er die Meister überraschen wird und kunstvoll erreichen kann, dass sie sich gegen ihren Willen schlagen, stoßen, nach vorne werfen oder festhalten lassen müssen.

Wer die Dinge versetzt, wird mit allen Mitteln verletzt.

Nachdem der Meister das Vorwort gesprochen hat, erteilt er dir nun gute Lehre. Dies ist die erste. Wenn du im Zufechten zu dem Mann kommst, so sollst du nicht stillstehen und auf seine Haue warten. Die Fechter, die die Dinge versetzen wollen, die werden sehr geschlagen. Wenn sie gerne versetzen und deswegen

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keine richtige Technik anwenden, und wenn sie nichts anderes tun als versetzen und nach dem Schlag oder Angriff schauen, dann werden sie geschlagen und bei all ihren Künsten geschwächt.

Indes, Vor und Nach, diese Worte sind aller Künste Anfang. Prüfe weise Schwäche und Stärke, wenn du meisterlich fechten willst.

Hier spricht der Meister und bennent die Grundlage des Messerfechtens mit Indes, Vor und Nach. Das sollst du also verstanden haben, dass du die zwei Dinge gut behalten sollst, das Vor und das Nach. Dazu die Schwäche, die Stärke und das Indes, denn das ist die Basis aller Fechtkunst. Wenn du diese Dinge vernimmst und verstehst und vor allem das Indes nicht vergisst, in allen Stücken, die du ausführst, so wirst du ein guter Meister des Messerfechtens sein und Fürsten und Herren lehren, damit sie im Scherz und im Ernst mit ihrer Kunst bestehen.
Dies ist das Vor: Wenn du mit dem Hau eher kommst als er, so dass er dir versetzen muss, so führe das Messer sofort vor dich oder in ein anders Stück und lass ihn danach zu keinem Angriff kommen. Du hast ihm also im Vor gebunden.
Wenn er mit dem Angriff oder dem Hau eher kommt als du so dass du ihm versetzen musst, so reagiere sofort mit dem Messer oder mit einem anderen Stück, damit nimmst du ihm das Vor mit dem Nach. Dies ist das Vor und das Nach.
Vor allem sollst du auch von der Stärke und der Schwäche des Messers wissen. Merke dir: Vom Gehilz bis zur Mitte des Messers, das ist die Stärke. Von der Mitte bis an den Ort, das ist die Schwäche. Wie du damit fechten sollst und was das Indes ist, das findest du im Folgenden beschrieben.

Sechs Haue lerne, aus einer Hand gegen die Angriffe.

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Die linke Hand leg auf den Rücken, auf die Brust, wenn du zur Waffe greifen willst.

Hier lehrt der Meister, wie man sich beim Messerfechten verhalten soll. Erstens sollst du einhändig mit dem Messer fechten und die andere Hand auf dem Rücken haben.
Willst du mit der leeren Hand kämpfen, etwa das Messer entreißen, übergreifen oder den Arm umschließen, so wende die Hand vom Rücken auf die Brust, um sie ihm innen über die Arme zu treiben. Zum Anderen werden in dem Text sechs verborgene Haue bezeichnet und genannt. Aus ihnen kommen viele gute Stücke für den, der sie richtig auszuführen und mit Kunst anzuwenden weiß. Wie du sie mit drei Stücken ausführen sollst, darin wirst du hiernach unterrichtet.

Zornhau, Wecker, Entrüsthau, Zwinger, Gefer und Winker

Hier nennt der Meister die sechs verborgenen Haue und wie sie mit Namen heißen, so dass du die Stücke aus ihnen besser verstehen kannst. Er sagt, dass der erste Zornhau heißt, der zweite Wecker, der dritte Entrüsthau, der vierte Zwinger, der fünfte Geferhau und der sechste Winker. Das sind sechs Stück und es gibt weitere Hauptstücke, wie du hiernach hören wirst.

Die Pasteien, versetzen, nachreißen, überlaufen und absetzen, durchwechseln, zucken, durchlaufen, die Schnitte, drücken, ablaufen, pnehmen, durchgehen, Pogen, das Messer nehmen, das Hängen und das Winden zu den Blößen

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Schlag die Streiche, lerne beschwerlich.

Hier zählt der Meister die anderen Hauptstücke auf, es sind siebzehn.
Das erste sind die vier Läger. Sie werden behandelt, wenn der Text von Pasteien spricht.
Das zweite Stück heißt das Versetzen. Das wird behandelt, wenn der Text vom Versetzen spricht.
Das dritte sind die Nachreißen. Das wird behandelt, wenn vom Überlaufen der Nachreißen gesprochen wird.
Das vierte sind die Überlaufen. Das wird behandelt, wenn es heißt "überlauf dies".
Das fünfte sind die Absetzen. Das wird behandelt, wenn vom Absetzen gesprochen wird.
Das sechste sind die Durchwechseln. Das behandelt der Meister, wenn er von "wechsel durch" spricht.
Das siebte heißt das Zucken. Das wird behandelt, wenn er vom Zucken spricht.
Das achte sind die Durchlaufen. Sie werden behandelt, wenn es heißt "lauf durch".
Das neunte sind die Abschneiden oder die vier Schnitte. Das wird behandelt, wenn vom Abschnitt gesprochen wird.
Das zehnte heißt die Hände drücken. Das wird behandelt, wenn er vom Drücken spricht.
Das elfte sind die Ablaufen. Das wird behandelt, wenn er vom Ablaufen spricht.
Das zwölfte sind die Pnehmen. Das wird behandelt, wenn es heißt "pnimm".
Das dreizehnte sind die Durchgehen. Das wird behandelt, wenn es heißt "geh durch".
Das vierzehnte heißt der Pogen. Das wird behandelt, wenn er vom Bogen spricht.
Das fünfzehnte heißt das Messer nehmen. Das wird behandelt, wenn es heißt "nimm die Waffe".

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Das sechzehnte sind die Hängen. Sie werden behandelt, wenn vom Hängen gesprochen wird.
Das siebzehnte sind die Winden mit dem Messer. Das behandelt der Meister, wenn er sagt "winde zu den Blößen".
Damit hast du die Hauptstücke, es sind dreiundzwanzig.

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